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Federweißer – Jungwein für den goldenen Herbst

30. September 2014 by Jani Plückthon

Zurzeit stehen Sie wieder in den Regalen, die Federweißen. Der trübe, leicht milchige Traubenmost läutet traditionell die Weinsaison ein. Von Anfang September bis Ende Oktober wird der Federweiße im Weinhandel oder bei Lebensmittelketten verkauft. Am süßlichen Geschmack und Bukett scheiden sich die Geister. Für die einen ein unausgegorener Saft mit dem schnell Gewinn gemacht werden soll, ist er für die anderen Weingenuss in einer seiner ursprünglichsten Formen.

Der fertige Unfertige

Beim Federweißen handelt es sich strenggenommen nicht um einen Wein. Geschmacklich ähnelt er eher dem altgermanischen Met (Mischung aus zu Alkoholgegorenen Apfelsaft und Honig) oder dem französischen Cidre, als z.B. einem weißen Tafelwein. Dementsprechend niedrig ist auch der Alkoholgehalt von anfänglich 4%, der sich während der Flaschengärung auf ca. 11% erhöhen kann.

Reift in der Flasche, nicht im Fass

Während andere Weine zu Essig werden, reift der Federweiße noch in der Flasche nach. Je nach Lagerdauer kann er im eigenen Heim noch an Alkoholgehalt zunehmen. Wollen Sie dieses Risiko minimieren, so stellen Sie den Wein in den Kühlschrank. Die Kälte stoppt den Gärprozess, während Zimmertemperatur diese beschleunigt. Dieser Vorgang setzt übrigens auch nach der Zeit im Kühlschrank wieder ein. Selbst wenn Sie den Alkohol-Promille-Rechner benutzen, kann je nach Reifegrad der Alkoholgehalt (4%-11%) schwanken. Schon so mancher Genuss von Federweißen hat zum Führerscheinverlust und Katarrh geführt, da der Alkoholgehalt falsch eingeschätzt wurde. Die Mischung aus Alkohol und hohen Zuckeranteil führt zudem zu einem schnelleren Anstiegs des Alkohols in der Blutbahn. Also Vorsicht beim Verzehr!

Federweißer schläft nie

Gären in der Flasche ist normalerweise verpönt. Beim Federweißen ist dies gewollt. Die großen Hinweise auf der Verpackung „Bitte stehend lagern“, sollten unbedingt beachtet werden. Schon so mancher Käufer wunderte sich über nasse Einkaufstaschen und Fahrzeugsitze. Der Drehverschluss liegt nur auf, da die Hefen im Kontakt mit der Luft weitergären. Zudem entweicht der Druck aus den Flaschen und die Flaschen platzen nicht. Im Kühlschrank hält er sich ca. eine Woche, ansonsten kann der Federweiße schon am nächsten Tag kippen. Inzwischen wird der „Bitzler“, wie er in der Pfalz genannt wird, auch in einem intelligenten und vor allem luftdichten Tetrapak angeboten. Ähnlich wie beim „Joghurt mit der Ecke“ rieselt beim ersten Öffnen Hefe von der Unterseite des Verschluss in den Traubenmost. Trotzdem ist es nach dem Öffnen wieder wichtig die Packung nicht wieder ganz zu verschließen, denn nun beginnt auch hier der Druck zuzunehmen.

Zum Süßen was Deftiges

Zum Trank wird oft Zwiebelkuchen oder Elsässer Flammkuchen gereicht. Einfach eine rote Zwiebel etwas Speck und eine gehaltvolle Creme Fraiche Schmand Mischung auf einen einfachen ausgerollten Hefeteig geben und mit einem Holzbrett in den Ofen. Der zuckrigen Note des Weins muss etwas entgegengesetzt werden, damit die Geschmacksnerven nicht überwältigt werden. Außerdem bietet das gehaltvolle Elsässer Ambrosia einen guten Schutz vor sämtlichen Nachwirkungen des Pfälzernektar. Eine ideenreiche und extrem leckere Variante hat übrigens die gelernte Ökoanthropologin und Köchin Anne Lukas auf chefkoch.de bereitgestellt. Einen wunderbaren Kürbisflammkuchen, der leicht zu kredenzen und noch leichter zu verputzen ist. http://www.chefkoch.de/video/artikel/2840,0/Chefkoch/Flammkuchen-mit-Kuerbis.html

Für unempfindliche Träumer – Nichts für empfindliche Realisten

Der „Sturm“ wird traditionell im Steinkrug gereicht und aus einer kleineren Version des Krugs getrunken. Auch im Römerglas mundet er eher als in einem filigranen Weißweinglas. Denn der Federweiße ist nichts für zarte Gemüter, vielmehr kann er auf selbiges schlagen. Je nach Hefestamm korrodiert der Zusammenhalt des Darmtrakts beim nächsten Besuch der örtlichen Sanitäreinrichtungen. Aber er ist eine wahre Vitamin B-Bombe (B1, B2, B6). Bei Einnahme hoher Dosen des Vitamin B6 steigt im Übrigen die Traumaktivität beim Menschen an, so eine Studie der University of New York. Bei einem Glas a 100 ml pro Tag decken sie ihren Bedarf am „Traumvitamin“ bereits ab. Um die in der Untersuchung erlangten Ergebnisse zu bekommen, müssten jedoch über 20 Liter getrunken werden. Hiervon wird natürlich strengstens abgeraten. Ein willkommener Schlummertrunk.


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